fbpx

Sanierung eines RKBs in Herten nach den Anforderungen von DWA-A 102

Vor dem Hintergrund geänderter und sich aktuell in Bearbeitung befindlicher Anforderungen aus den einschlägigen Regelwerken wird in Herten derzeit ein Sanierungskonzept für ein bestehendes Regenklärbecken (RKB) entwickelt.

Das Sanierungskonzept des RKBs soll sowohl den aktuellen Anforderungen des Regelwerkes (DWA-Arbeitsblatt A-102, A-166) als auch den sich abzeichnenden zukünftigen Regelungen (Erlass zum A-102 in NRW, Überarbeitung DWA-A 166) gerecht werden.

In einem ersten Arbeitsschritt wurde dazu die theoretische Belastungssituation des Einzugsgebietes auf Basis der Gebietskenndaten bestimmt und die notwendige Reinigungsleistung der Behandlungsanlage nach DWA-Arbeitsblatt 102 ermittelt. Auf dieser Basis wurde der Optimierungsbedarf am Bauwerk abgeleitet. Parallel hierzu wurde die tatsächliche Belastungssituation im Einzugsgebiet mit Hilfe einer In-situ-Messkampagne ermittelt, um die Charakteristik und Menge der anfallenden Feststoffe zu erfassen und Erkenntnisse über den zeitlichen Verlauf der AFS-Belastung des dem Becken zugeführten Wassers (z. B. First-Flush-Effekte) zu erhalten. Hierzu wurden Wasserstands- und Abflussmessungen sowie eine Online-AFS-Messung (PKM) durch die Prüfstelle für Durchflussmessungen der Dr. Pecher AG eingebaut, betrieben und ausgewertet.

Alle diese Informationen flossen anschließend unmittelbar im Rahmen der Erarbeitung unterschiedlicher Ertüchtigungsstrategien für das RKB ein. CFD-Modellierungen unterstützten zudem bei der Variantenbewertung.

Hintergrund für diese Vorgehensweise ist insbesondere die Arbeits- und Merkblattreihe DWA-A/M 102, welche im Dezember 2020 als Weißdruck veröffentlicht wurde und die Anforderungen an Einleitungen aus Trenn- und Mischsystemen in oberirdische Gewässer neu regelt. Anhand des dort neu eingeführten Parameters AFS63 wird die Behandlungsnotwendigkeit der einzuleitenden Abflüsse bewertet. Demzufolge müssen die Abflüsse von höher verschmutzten Flächen der Kategorien II und III vor der Einleitung in ein Oberflächengewässer einer geeigneten Vorbehandlung zugeführt werden.

    09 August
  • 1224 Besucher

Herten steht hierbei vor der besonderen Herausforderung, dass die an das vorhandene RKB angeschlossenen Flächen ausschließlich mit Kategorie III bewertet sind, wodurch eine Behandlung rein über Sedimentationsprozesse im vorhandenen Bauwerk ausgeschlossen ist.

Daher wurde ein Sanierungskonzept gewählt, welches unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert und die vorhandene Bausubstanz nutzt, um Kosten und Ressourcen zu sparen. Vor diesem Hintergrund werden zukünftig folgende Elemente vorgesehen:

  • Bau eines neuen Geschiebeschachts zum Rückhalt grober Sedimentfraktionen
  • Filtration zum Rückhalt feiner Sedimentfraktionen und gelöster Schadstoffe mit einem technischen Filter, der nachträglich in das Bestandsbecken eingesetzt wird
  • Teilstrombehandlung des sehr stark verschmutzten Spülstoßes (First Flush) in der Kläranlage

Durch diese Maßnahmenkombination soll am Standort eine hohe Gesamtreinigungsleistung mit angemessenen Wartungsintervallen sichergestellt werden. Die Aufsichtsbehörden wurden von Beginn an in den Planungsprozess eingebunden.

Einen vergleichbaren Planungsansatz hat die Dr. Pecher AG auch im NRW-Pilotprojekt EM“1“SDETTEN verfolgt. In diesem Projekt wurde ergänzend ein hydrodynamisches Schmutzfrachtmodell mit den Online-Messdaten der durchgeführten In-Situ-Messung kalibriert und ein Behandlungskonzept für ein großes Trennsystem entwickelt. Die Ergebnisse dieses Projektes wurden unter anderem im Rahmen des diesjährigen Kölner Kanal- und Kläranlagenkolloquiums und der NOVATECH 2023 in Lyon vorgestellt.

Die Projekte in Herten und Emsdetten zeigen, wie wichtig die Berücksichtigung der lokalen Randbedingungen bei der Planung von Regenwasserbehandlungsanlagen ist, um effiziente Lösungen zu entwickeln. Das gilt sowohl für die letztendlich erreichbare Reinigungsleistung und Betriebsaufwendungen als auch für die Investitionskosten.

Ansprechpartner: Dr. Holger Hoppe und Dr. Klaus Hans Pecher

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen